Mir ist in den letzten Jahren aufgefallen, dass die Zahngesundheit bei Katzen nicht nur ein veterinärmedizinisches Thema, sondern fast schon ein soziokulturelles Problem ist – viele Halter*innen unterschätzen nicht nur die Folgen von Zahnproblemen, sondern auch den Einfluss auf das gesamte Wohlbefinden ihrer Tiere. Ein entzündetes Zahnfleisch schränkt ja nicht bloß die Nahrungsaufnahme ein; chronische Entzündungen können meines Wissens nach das Immunsystem dauerhaft belasten und sogar Organe wie Herz oder Niere beeinträchtigen. Bin mir da ehrlich gesagt selbst nicht zu 100 % sicher, ob dsa schon ausreichend wissenschaftlich belegt ist, aber ich halte es für plausibel.
Was mich persönlich stört: Es gibt kaum standardisierte Empfehlungen zur Häufigkeit von Zahnkontrollen bei Katzen. Während Hundehalter*innen inzwischen schon fast in ein Ritual verfallen, ihre Vierbeiner ans Zahnputzen zu gewöhnen, bleibt das bei Katzen gerne unter dem Radar. Wieso eigentlich? Fehlt es an geeigneten Produkten, an Durchführbarkeit oder schlicht an Wissen? Ich ertappe mich selbst dabei, die jährliche Impfung immer als Anlass für einen „Zahn-Check“ zu nutzen – aber ist das genug? Und: Sollte man wirklich jeder Katze (auch der störrischen, alten, zahnlosen Oma auf dem Sofa) Zahnpflegeprodukte anbieten oder richtet man damit manchmal mehr Stress als Nutzen an?
Ein weiterer Aspekt, über den selten gesprochen wird, ist die Rolle der Ernährung. Es gibt ja diese ewigen Debatten, ob Trockenfutter die Zähne wirklich reinigt oder am Ende doch mehr schadet als nutzt. Meine Katzen bekommen fast ausschließlich Nassfutter, und ich frage mich oft, ob das ein Risikofaktor für Zahnstein ist – oder ob die Futterstruktur im Endeffekt kaum eine Rolle spielt, weil genetische Faktoren viel stärker wiegen…? Falls jemand dazu belastbare Infos hat, wäre ich sehr interessiert.
Müsste es vielleicht in der Katzenmedizin analog zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Menschen (so wie Zahnsteinentfernung oder professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt) verbindliche oder zumindest empfohlene Routinen geben? Oder ist das angesichts der oft schwierigen Handhabbarkeit bei Katzen einfach utopisch?